Indonesien – Sumatra

Donnerstag, 19. Februar 2023

Verrückt und spontan wie wir sind, haben wir kurzfristig beschlossen, von Penang nach Sumatra, genauer gesagt nach Bukit Lawang, zu reisen. Vor vier Jahren waren wir schon mal hier und hatten eine unbeschreiblich schöne Zeit. Meru hat damals einen Kochkurs gemacht und erzählt immer noch begeistert von der großen Dschungelwanderung zu den Orang Utans. Den Kindern haben wir nicht erzählt wo es hingeht, um zu testen, ob sie sich an den Ort erinnern. Mali war damals erst 14 Monate, sie kann sich sicher nicht erinnern, aber wir sind uns sicher, dass ihr der Dschungel ganz besonders gefallen wird. Die Autofahrt in den Dschungel dauert aus Medan fast vier Stunden.

Wer nach Bukit Lawang reisen will, sollte sich mit einem Auto fahren lassen, oder zumindest den Bus nehmen. Die Straßen sind zum Teil nicht vorhanden, bei Regen nur für Ortskundige erkennbar, und Verkehrsregeln werden für Europäer eher im entfertnten Sinne eingehalten. „Geisterfahrer“ auf dem Motorrad/Roller sind hier normal, und Licht bei Dunkelheit ist auch nicht immer vorhanden. Wir sind gut durchgekommen und haben sogar Benzin an der Tankstelle bekommen, vor vier Jahren mussten wir dafür zu drei verschiedenen Tankstellen fahren. Sobald man ausserhalb der Stadt ist, sieht man nur noch Palmölplantagen.

Das letzte Stück zur Unterkunft muss man laufen, weil es nur einen Gehweg durch das Dorf gibt. Der Weg führt am Fluss Bahorok entlang, hier reiht sich eine Hütte an die andere, wo man entweder essen gehen kann, Übernachtungsmöglichkeiten hat, oder es ist ein kleiner Supermarkt. Ein Supermarkt hat hier meistens nur Wasser, Softdrinks und Kekse im Angebot, alles andere sollte man unterwegs in der Stadt besorgen.

Als wir aus dem Auto gestiegen sind, hatte Meru noch nicht raus, wo wir sind. Nachdem wir ein paar Metern auf dem Fußweg sind ihm die bunten Steine eingefallen, mit denen man sich hier „Dschungelmakeup“ machen kann. Er konnte sich erinnern und die Überraschung war gelungen.

Unsere Unterkunft Garden Inn liegt fast am Ende des Dorfes, die einfachen Hütten sind in den Berghang gebaut. Unser Bad hat eine Felswand, die Aussicht auf den Bahorok und den gegenüberliegenden Gunung-Leuser Nationalpark und das Grün um uns herum ist unbeschreiblich! Nach einem kühlen Getränk sind wir zu einer Badestelle gelaufen und haben uns am Fluss abgekühlt. Der frühe Abend war entspannt und sehr schön.

Zum Abendessen sind wir ein paar Hütten flussabwärts gelaufen, um zu sehen, ob die Familie, die wir vor vier Jahren hier kennengelernt haben, noch dort lebt. Sie bewirtschaften die Übernachtungsmöglichkeit Eriono Guest House und das Restaurant und versuchen, mit Kunst noch ein wenig dazuzuverdienen. Kaum hatten wir das Restaurant betreten, standen wir vor der Köchin, die uns sofort wieder erkannt hat. Sie hat gleich die Kinder (in Malis und Merus Alter) und ihren Mann gerufen. Sie haben sich riesig gefreut, uns zu sehen. Die Kinder haben den Abend gespielt und wir haben uns für morgen Abend verabredet. Steffen und Meru haben das Rendang als das beste Rendang EVER in Erinnerung. Eigentlich steht es zur Zeit nicht mehr auf der Speisekarte, weil die Gästezahlen seit Corona eher durchwachsen sind. Für uns wird morgen extra gekocht. Im Stockdunkeln mussten wir noch zurück, begleitet wurden wir von lauten Tiergeräuschen und in jeder 3. Hütte wurde noch Musik gespielt.

Montag, 20. Februar 2023, Jungle Tour

Der Tag hat sehr früh begonnen, von Affen die auf unserem Dach herumpolterten, wurden wir noch vor unserem Wecker geweckt. Da wir nur zwei volle Tage hier haben, wurde die Wanderung durch den Nationalpark für heute geplant. Wir haben uns für die ganztägige Wanderung entschlossen und hoffen, dass Rio mitspielt.

Das Video dazu gibt es hier: Bukit Lawang – Jungle Tour

Das Frühstück ist hier inbegriffen, Tee und Toast mit Ei oder Toast mit Marmelade. Die Uhr interessiert uns auf unserer Reise weniger, nur an Reisetagen sollte man pünktlich sein. Um Punkt zehn nach neun 😉 waren wir abmarschbereit. Steffen hatte ca. 15 kg im Rucksack und ich hatte auch nochmal ca. 10 kg im Gepäck. Wir müssen Wasser für den ganzen Tag mitnehmen, Mosquitospray, den guten Foto und Klopapier (stand auf der Packliste).

Neben uns waren weitere Wanderteams, man läuft aber immer in kleineren Gruppen von drei bis sieben Personen. Wir sind zu fünft und bekommen unsere eigenen zwei Guides. Die Gruppen laufen alle um dieselbe Zeit los, und man trifft sich unterwegs auch ab und zu, besonders wenn Orang-Utans oder andere Tiere gesichtet werden. Die meiste Zeit läuft man zwischen den Guides, die das Tempo und die Strecke (sofern möglich) nach den Wünschen der Gäste richten. Kleinere Kinder (5-jährige zählen scheinbar noch zu kleinen Kindern) werden unterwegs von den Guides getragen, falls sie nicht mehr laufen können. Bei einer Tagestour sollte man sich sicher sein, dass die Kinder gerne laufen, sonst wird es arg anstrengend.

Zu Beginn läuft man flussabwärts bis zu einer Brücke, die schon ein kleines Abenteuer ist. Auf der anderen Flusseite läuft man am Fuße des Nationalparks zum Eingang. Wir wurden gleich von einer Mondschlange (Viper) begrüßt. Zum Glück leben sie hauptsächlich auf den Bäumen. Es geht die ersten zwanzig bis dreißig Minuten bergauf. Man merkt sofort, dass man im Dschungel ist. Die Mosquitos nehmen zu, die Pfade werden unwegsamer und „dschungeliger“, obwohl die Hauptpfade gut ausgelaufen sind, und man schwitzt nach wenigen Metern. Wir mussten gar nicht so lange laufen, um einer Orang-Utan-Mutter mit ihrem Kind zu begegnen. Die Tiere werden im NP nicht gefüttert, es gibt somit keine Garantie, dass man Orang-Utans sieht, aber es gibt scheinbar Gebiete ,wo sie verschiedene Tiere häufiger aufhalten. Die Guides kommunizieren miteinander, sodass die Wandergruppen in der Nähe zum Beobachtungspunkt kommen können.

Wir konnten dem Orang-Utan-Kind beim Spielen zuschauen und der Mutter, wie sie ihr Kind beim Spielen bewacht hat. Rio war begeistert und hat auch Spaß beim Zuschauen gehabt. Nach ausreichend Beobachtungszeit sind wir nur wenige Minuten gelaufen, als wir Gibbons gehört haben. Wir sind umgekehrt und ein wenig durch dichteres Gestrüpp geklettert (mit dem Rucksack bleibt man hier und da hängen). Da wo mehrere Menschen waren, waren auch die Gibbons zu finden, allerdings so weit oben in den Bäumen, dass es schwierig war, überhaupt einen ausfindig zu machen. Unterwegs sind uns viele weitere Tiere begegnet, wie ein schwarzes Eichhörnchen, zwei verschiedene Arten von Landschildkröten, riesige Ameisen, große bunte Schmetterlinge, Spuren von einem Honigbären, mehrmals Makies. TomasTomas-Affen (die Affen mit Punkfrisur) haben wir auch gesehen.

Es gab zwei Mal Picknick, das erste Mal gab es eine riesige Obstplatte. Erstes Wort von Rio (nach Mama und Babba) ist (Ba) Nanna :-). Später gab es nochmal fried rice, wahlweise mit Hühnchen, serviert in Palmblättern. Das besondere Ambiente hat allen gefallen. Nach dem Essen wird darauf geachtet, keine Reste auf dem Boden zurückzulassen, sogar die Reiskörner wurden aufgesammelt.

Der Weg führte zum Teil durch tiefen Matsch, für Kinder cool ;-). Hatte ich erwähnt, dass wir morgens die Ausrüstung der anderen Wanderer bestaunt haben? Vom Superwanderschuh über tolle Ferngläser (tragen wollte ich das nicht) bis hin zum Hightechhemd und Hut. Es ging auch super in Shorts und Barfußschuhen :-)!

Neben dem tollen Matsch kamen auch die Lianen gut an, auf denen man schaukeln und wippen kann. Wir lagen sehr gut in der Zeit, unsere Guides haben wahrscheinlich nicht mit so laufwilligen Kindern gerechnet und haben uns überaus oft Pausen angeboten. Ich glaube einer der beiden war richtig froh, als die Kinder in den Lianen Affen gespielt haben.

Mali hat die Geräusche von den Gibbons beim Spielen nachgeahmt und ruckzuck war eine Gruppe von Wanderern bei uns :-)…die haben gedacht es gäbe wirklich Gibbons.

An steileren Stücken haben die Guides den Kindern hoch bzw. runter geholfen. Es geht am Ende zu einem Bach herunter den man überqueren muss, spätestens hier wird man schmutzig. Kurz darauf kommt man am Fluss an, wo man sich erfrischen kann.

Zu unserem riesen Glück kam direkt am Fluss eine weitere Orang-Utan-Mutter mit einem Baby zu uns herunter. Hier sind super Fotos entstanden, ich hätte mich geärgert, ein schweres Fernglas durch den Dschungel getragen zu haben. Nach 6 1/2 Stunden im Dschungel ging es mit dem Dschungeltaxi zurück zur Unterkunft. Die Kinder bekommen eine Schwimmweste an und dann geht es in großen, aneinandergebundenen Reifen gemächlich fluss-abwärts.

Den Job, die Reifen dorthin zu schleppen würde ich nicht haben wollen. Es war ein riesen Spaß, wenn die Kinder etwas älter wären, könnte man auch eine Raftingtour in den Reifen machen, zumindest bei dem aktuellen Wasserstand werden die Reifen auch so verliehen. Der Fluss ist hier oben sauber und man kann den Boden durch das klare Wasser sehen.

Kaum waren wir zurück, wir saßen gerade bei kühlen Getränken im Schatten, kam ein Waran über die Wiese spaziert. Unsere Schuhe haben wir zum Trocknen vor das Pavillon in die Sonne gestellt, wobei diese sich unbemerkt verzogen hat. Nachdem wir uns was halbwegs Sauberes angezogen haben, wollten wir in den Hängematten schaukeln bzw. Logbucheinträge schreiben. Ungefähr zehn Meter vor dem Pavillon mit den Hängemattern/Restaurant hat es angefangen zu schütten. Durch den Regenvorhang konnte ich gerade noch auf der anderen Gartenseite sehen, dass unsere Schuhe noch „in der Sonne“ trocknen. Gut, die müssen dann wohl morgen noch mal vor die Tür. Das Problem ist, dass man die Sachen nicht unbeaufsichtigt trocknen lassen kann, weil die Makies ALLES was sie sehen, klauen. P.S. Wir vermissen unsere Sonnenmilch…

Nachdem der Regen nachgelassen hat, sind wir zu unserer Verabredung spaziert. Heute stand Chicken Rendang auf der Karte, worüber sich auch andere Gäste gefreut haben. Als mir Rio fast auf dem Arm eingeschlafen ist, sind wir zu unserer Hütte spaziert. Eigentlich wollte ich die Eindrücke des Tages sofort festhalten, aber nachdem ich Rio im Bett abgelegt habe und dem Rauschen vom Fluss zugehört hatte, bin ich genauso schnell eingeschlafen.

Buchung der Orang-Utan Wanderung

Die Wanderungen werden an jeder Unterkunft angeboten. Preise muss man nicht vergleichen. Der Eintritt in den Nationalpark kostet für jeden gleichviel, nur das Programm kann man wählen. Es gibt Halbtagestouren, Tagestouren und Zweitagestouren mit Übernachtung im Dschungel. Bei der Übernachtung kann man natürlich auch nachtaktive Tiere beobachten. Wenn man Wünsche hat, beispielsweise weil man schneller und alleine gehen möchte, oder eventuell jemanden braucht, der zeitweise den Rucksack trägt, braucht man das nur zu sagen. Wir haben uns auf der Tour sicher gefühlt und haben auch von den anderen Gruppen gehört, dass sie begeistert waren. Es gibt kleine Hängebrücken oder betonierte Pfade, um es den Touristen gemütlicher zu machen. Der hohe Eintrittspreis ist gerechtfertig, wenn man bedenkt, was hier geschützt wird. Viel zu viel Fläche ist dem Palmöl und anderen Plantagen zum Opfer gefallen. Wer die Möglichkeit hat, nach Bukit Lawang zu reisen, sollte die Anreise in Kauf nehmen. Es rentiert sich und man wird mit einem Flecken Paradis auf Erden belohnt.

Dienstag, 21. Februar 2023

Heute steht nicht viel auf dem Plan. Wir haben fest damit gerechnet, von den Affen geweckt zu werden und waren vorsichtshalber schon vorher wach. Scheinbar ist Dienstag Ruhetag bei den Makies. Die Kinder hatten Spielkameraden, und wir wollten nur am Nachmittag sehen, was aus dem Plastikhaus geworden ist. Mittlerweile soll ein ganzes Plastikdorf entstanden sein und das Project Wings ist sogar in Rheinland-Pfalz bekannt. Man kann sich gar nicht verlaufen, es geht nur flussabwärts ins Dorf oder flussaufwärts in den Dschungel. Fertig. Oaky, wir haben es geschafft, nicht dort anzukommen, wo wir hin wollten. Wären wir so gelaufen, wie ich es vorgeschlagen habe, wären wir mit Sicherheit am richtigen Haus gelandet. Aber ich habe auf den Mann mit dem Handy und Maps in der Hand gehört. Wir haben einen Spaziergang durch das Dorf abseits vom Fluss gemacht und wurden gleich von Kinderscharen begrüßt. Eine neugierige ältere Frau wollte wissen, wohin wir wollten und wir haben es versucht zu erklären. Sie hat aus ihrem Haus eine Flasche geholt, die mit Plastikmüll aus dem Fluss befüllt war. Genau so sahen die Flaschen aus. Wir haben wild genickt und sie hat einen der Jungs auf der Straße herbeigepfiffen, der uns dann einen geheimen Geheimweg zur geheimen Deponie geführt hat. Wir haben durchaus gesehen, dass es nicht das ist, was wir meinten, aber uns kam sofort ein netter Mann entgegen und hat sich gefreut, dass wir ihn besuchen wollen. Es hat ein wenig gerochen! Wir wurden gleich ins Office gebeten und herumgeführt. Stolz hat er uns die neu entstandene Deponie gezeigt (es hat mehr als ein wenig gerochen). Es gab auch eine Mauer mit den berühmten Plastikflaschen. Ein ausführlicherer Bericht hierzu wird bei Gelegenheit folgen.

Die kurze Variante ist: Es gibt einen Versuch, den Plastikmüll zu recyceln indem daraus verschiedene Produkte hergestellt werden. Zu Beginn wurden im Dorf leere Plastikflaschen mit Plastikmüll, welcher aus dem Fluss gefischt wurde, befüllt. Die befüllten Flaschen wurden zusammen mit unterschiedlichen Materialien als Hauswand gestapelt. Unser letzter Stand war ein halbfertiges Haus aus Plastikflaschen. Das Project Wings gibt es immernoch.

Mittlerweile wird in einem kleinen sechs-köpfigen Unternehmen versucht, das gesamte Dorf einzubeziehen, sodass weniger Müll in der Umwelt landet, das Dorf sauber bleibt und eine neue Einnahmequelle geschaffen wird, die nicht unbedingt vom Tourismus abhängig ist. Das System ist noch unausgereift und die sechs Leute können den Müll nicht bewältigen. Der Müll muss zunächst sortiert werden, um härtere und weichere Plastiksorten voneinander zu trennen, der Müll muss gewaschen und getrocknet werden. Das ist alles Handarbeit und es wird viel Platz benötigt. Am Tag werden von einer Person acht bis zehn Flaschen befüllt (die Flaschen müssen recht dicht bzw. voll gepackt sein, um die gewünschten Eigenschaften als Baumaterial hervorzurufen).

Das harte Plastik wird geschrotet, eingeschmolzen und zu verschiedenen Produkten verarbeitet. Die Kinder durften sich Farben aussuchen und in eine Maschine füllen, welche das Plastik bei ca. 230°C geschmolzen hat. Es gab verschiedene Rohlinge, wie Seifenhalter, Schlüsselanhänger oder Becher. Sie durften sich verschiedene Produkte aussuchen, die sie dann hergestellt haben. Die beiden waren ganz bei der Sache und durften bei allen Schritten helfen. Die Ergebnisse haben sie geschenkt bekommen. Wir haben uns in der Zeit mit dem „Gründer“ unterhalten. Es gibt beispielsweise keine Homepage, wo man die Waren bestellen kann, weil es niemanden unter den sechs Köpfen gibt, der sich „mit dem Internet“ gut auskennt, geschweige denn Zeit hat. Wir werden, sobald wir das Material zusammengestellt haben, genauer über das Projekt berichten. Die Dorfbewohner nehmen die Deponie zumindest teilweise als Chance wahr und helfen am „Clean-Up-Monday“.

Wir müssen wohl wieder nach Bukit Lawang reisen, denn das was wir eigentlich sehen wollten, haben wir nach der tollen Privatführung nicht mehr aufgesucht.


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